
Lucian Holtwiesche
CEO & Co-Founder
15.04.2026
Millionenverluste durch Krankheitstage: In diesen Städten und Branchen sind sie am höchsten
3 Min.
Einleitung
Krankheitsbedingte Ausfälle kosten Unternehmen nicht nur Produktivität, sondern auch Geld durch ungenutzte Büroflächen. Gemeint sind Kosten, die entstehen, wenn ein Büroarbeitsplatz wegen Krankheit zeitweise leersteht, die Fläche dafür aber weiter bezahlt wird. Wir haben untersucht, welche Kosten durch krankheitsbedingt ungenutzte Büroarbeitsplätze in den 20 größten deutschen Städten entstehen. Dafür haben wir krankheitsbedingte Fehltage in ungenutzte Arbeitstage je Büroarbeitsplatz übersetzt und daraus auf Basis des durchschnittlichen Flächenbedarfs pro Arbeitsplatz sowie der Median-Büromieten pro Stadt die jeweiligen Opportunitätskosten berechnet. Das Ergebnis: In Berlin liegen die Opportunitätskosten je nach Branche bei bis zu 160 Euro pro Arbeitsplatz im Jahr, in Stuttgart teils nur bei rund 60 Euro.
Krankheitstage sind Grundlage dieser Auswertung für die Berechnung der Opportunitätskosten. Wir haben untersucht, wie viele Arbeitstage Büroarbeitsplätze in vier Bürobranchen krankheitsbedingt ungenutzt bleiben, und diese Ausfalltage mit dem durchschnittlichen Flächenbedarf pro Arbeitsplatz sowie den Median-Büromieten in den 20 größten deutschen Städten verknüpft. So wird sichtbar, welche Kosten entstehen, wenn ein Arbeitsplatz zeitweise leersteht, die dafür eingeplante Fläche aber weiter bezahlt wird. Je mehr krankheitsbedingte Ausfalltage anfallen, desto höher fallen auch die modellierten Kosten ungenutzter Bürofläche aus.
Kosten pro Arbeitsplatz variieren stark je nach Stadt und Branche
Die Opportunitätskosten pro Arbeitsplatz machen sichtbar, wie teuer krankheitsbedingte Ausfälle tatsächlich sind. Besonders hohe Werte finden sich in Metropolen: In Berlin liegen die Kosten je nach Branche zwischen 139 und 160 Euro pro Arbeitsplatz, in Frankfurt zwischen 121 und 139 Euro. Auch Hamburg bewegt sich mit 116 bis 133 Euro auf einem ähnlich hohen Niveau. Deutlich günstiger schneiden hingegen Städte wie München ab, wo die Kosten mit 92 bis 105 Euro pro Arbeitsplatz spürbar niedriger liegen. Noch klarer wird der Unterschied in Stuttgart, wo sie je nach Branche nur zwischen 62 und 72 Euro liegen. Auffällig ist zudem die Spannbreite innerhalb einzelner Städte: Selbst in kleineren Großstädten wie Duisburg (76 bis 88 Euro) oder Leipzig (67 bis 77 Euro) variieren die Kosten je nach Branche. Besonders niedrige Werte finden sich in Wuppertal mit lediglich 49 bis 57 Euro pro Arbeitsplatz.
Berlin, Frankfurt, München: Hier sind die Kosten am höchsten
Wie hoch die totalen Opportunitätskosten ausfallen, wird vor allem durch das jeweilige Mietniveau bestimmt. Je höher die Büromieten, desto teurer wirken sich ungenutzte Arbeitsplätze aus. Entsprechend verzeichnet Berlin mit 36,5 Millionen Euro pro Jahr die höchsten absoluten Opportunitätskosten. Mit großem Abstand folgen Frankfurt (21,7 Millionen Euro) und München (20,9 Millionen Euro). Auch Hamburg liegt mit 19,6 Millionen Euro auf hohem Niveau. Deutlich niedriger fallen die Werte in kleineren Großstädten aus: Leipzig weist mit 171.500 Euro die geringsten Gesamtkosten auf. Auch in kleineren Großstädten wie Wuppertal (537.100 Euro), Bochum (686.400 Euro) oder Duisburg (865.400 Euro) fallen die Verluste geringer aus.
Digitale Branchen sind pro Arbeitsplatz am teuersten
Auch im Branchenvergleich zeigen sich merkbare Unterschiede in der Kostenstruktur. Die höchsten absoluten Opportunitätskosten entstehen im Bereich Information und Kommunikation: Hier summieren sich die Verluste auf rund 59,6 Millionen Euro. Ebenfalls hohe Gesamtkosten verzeichnen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit 41,4 Millionen Euro sowie Unternehmensberatung und Management mit 33,1 Millionen Euro. Am geringsten sind die Verluste, mit rund 16,3 Millionen Euro, in der Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung.
Entwicklung von 2020 zu 2024
Zwischen 2020 und 2024 stiegen die in der Analyse ausgewiesenen Opportunitätskosten über alle 20 Städte und vier Branchen hinweg von 96,8 auf 147,1 Millionen Euro. Parallel dazu erhöhte sich die modellierte Zahl der Büroarbeitsplätze von 1,23 Millionen auf 1,37 Millionen. Im Durchschnitt über alle betrachteten Branchen hinweg stieg die Zahl der krankheitsbedingten Ausfalltage je Büroarbeitsplatz von 8,9 im Jahr 2020 auf 11,6 im Jahr 2024. Im Bereich Information und Kommunikation nahm die Zahl der Büroarbeitsplätze von rund 487.000 auf rund 558.000. Zugleich nahmen auch die Opportunitätskosten dieser Branche von 33,7 auf 56,3 Millionen Euro zu. Maßgeblich dafür sind sowohl die gewachsene Zahl an Büroarbeitsplätzen als auch die gestiegenen krankheitsbedingten Ausfalltage je Arbeitsplatz. In der Unternehmensberatung sowie in der Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben wuchs die Zahl der Büroarbeitsplätze von rund 245.000 auf rund 290.000, wodurch die Opportunitätskosten von 20,6 auf 33,1 Millionen Euro zunahmen. Auch in den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen stiegen die Opportunitätskosten von 30,9 auf 41,4 Millionen Euro, bei der Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung von 11,4 auf 16,3 Millionen Euro. Auffällig ist zudem: Die zehn größten prozentualen Anstiege bei den krankheitsbedingten Ausfalltagen entfallen allesamt auf den Bereich Information und Kommunikation, in allen zehn Fällen liegt der Zuwachs bei über 40 Prozent.
„Krankheitsbedingte Ausfälle verursachen nicht nur personelle, sondern auch wirtschaftliche Kosten durch ungenutzte Büroflächen“, sagt Lucian Holtwiesche, Co-Founder von anny. „Der Arbeitsplatz bleibt bestehen, obwohl er temporär nicht genutzt wird. Gerade in Städten mit hohen Büromieten summiert sich das schnell zu erheblichen Opportunitätskosten. Deutschlandweit sind das rund 150,4 Millionen Euro pro Jahr, was durchschnittlich 87,87 Euro pro Arbeitsplatz entspricht.“
„Starre Bürostrukturen sind für viele Unternehmen nicht mehr zeitgemäß. Durch Homeoffice und flexible Arbeitsmodelle ist es oft nicht mehr notwendig, für jede Person einen festen Arbeitsplatz vorzuhalten. Desk-Sharing ermöglicht es, Arbeitsplätze dynamisch zu belegen, etwa indem sich mehrere Mitarbeitende einen Platz je nach Anwesenheit teilen. Unternehmen können so Büroflächen verkleinern und Kosten deutlich senken.“


