Lucian Holtwiesche
CEO & Co-Founder
22.01.2026
Klausurenphase in deutschen Hochschulstädten: In vielen Städten teilen sich Hunderte Studierende einen Platz
2 Min.
Einleitung
Besonders in der Klausurenphase sind Lernplätze in Universitätsbibliotheken stark umkämpft. Für viele Studierende wird das zum ernsthaften Problem, vor allem für jene, die zu Hause keine geeignete Lernumgebung haben. Doch wie gut ist die Versorgung mit Lernplätzen in deutschen Hochschulstädten tatsächlich? Dieser Frage sind wir in einer aktuellen Untersuchung nachgegangen. Das Ergebnis ist alarmierend. In einigen Städten steht nicht einmal ein Lernplatz pro 100 Studierende zur Verfügung. Für viele bedeutet das erschwerte Lernbedingungen und schlechtere Chancen, den Prüfungsstoff erfolgreich aufzuarbeiten.
Große Unterschiede beim Verhältnis von Lernplätzen zu Studierenden
Für die Analyse wurden Lernplätze in zentralen Bibliotheken von zehn großen Hochschulstädten erfasst und ins Verhältnis zur jeweiligen Studierendenzahl gesetzt. Insgesamt wurden 31.250 Lernplätze in 149 Bibliotheken ausgewertet.Besonders niedrig ist das Angebot in Aachen mit 1,25 Lernplätzen pro 100 Studierende. Auch Bochum (1,60) und Köln (1,63) liegen deutlich unter zwei Lernplätzen pro 100 Studierende. Stuttgart erreicht 2,63 Lernplätze pro 100 Studierende.Im Mittelfeld liegen Düsseldorf (3,39), München (3,88) und Frankfurt am Main (4,15). Berlin kommt auf 4,37 Lernplätze pro 100 Studierende. Die höchsten Werte verzeichnen Hamburg mit 5,02 und Münster mit 5,67 Lernplätzen pro 100 Studierende. Der Vergleich zeigt jedoch: Selbst in besser ausgestatteten Städten bleibt das Lernplatzangebot begrenzt, wenn viele Studierende gleichzeitig lernen.
Viele Studierende, viele Bibliotheken – trotzdem Engpässe
Der Druck entsteht insbesondere dort, wo hohe Studierendenzahlen auf begrenzte Kapazitäten treffen. Berlin zählt mit rund 200.339 Studierenden die meisten Studierenden im Vergleich und verfügt zugleich über die meisten erfassten Lernplätze (8.757 Plätze in 35 Bibliotheken). München folgt mit 5.299 Lernplätzen in 26 Bibliotheken bei 136.538 Studierenden, Hamburg mit 4.872 Lernplätzen in 30 Bibliotheken bei 97.043 Studierenden.
Die Zahlen verdeutlichen: Hohe absolute Lernplatz- und Bibliothekszahlen allein verhindern keine Engpässe. Entscheidend ist, wie Lernplätze organisiert, zugänglich gemacht und verteilt werden.
Ohne Transparenz wird Platzsuche zum Stressfaktor
Was die Situation zusätzlich verschärft: Nur vereinzelte Bibliotheken wie beispielsweise die Fachbibliothek der Technischen Universität München haben bislang ein Buchungs- und Auslastungssystem für Lernplätze. Somit erfahren Studierende meistens erst vor Ort, ob Plätze verfügbar sind. Gleichzeitig fehlt Einrichtungen eine transparente Übersicht darüber, wie stark einzelne Bereiche tatsächlich genutzt werden. In Phasen mit hoher Nachfrage, wie der Klausurenzeit, führt das zu unnötigen Wegen, ungleichmäßiger Auslastung und zusätzlich organisatorischem Aufwand. Ohne digitale Buchungs- und Auslastungssysteme bleibt das Lernplatzangebot für Studierende weitgehend unplanbar und für Bibliotheken kaum steuerbar.
„Gerade in Klausurenphasen ist eine verlässliche Planung entscheidend. Studierende sollten nicht erst vor Ort erfahren, dass alle Plätze belegt sind“, sagt Lucian Holtwiesche, Geschäftsführer und Co-Founder bei anny. „Transparente Auslastungsanzeigen und Buchungsoptionen schaffen Planungssicherheit und entlasten Bibliotheken wie Studierende gleichermaßen. Digitale Lösungen können helfen, vorhandene Lernplätze fairer zu verteilen und effizienter zu nutzen, damit Lernen nicht schon bei der Anfahrt scheitert.“



